Letzte Etappen in Schweden
Langsam merkt man das es frischer wird, je weiter ich nach Norden komme. In Pitea war es dann nachts schon gerne mal 5°C kalt, so dass ich doch noch den Innenschlafsack mit in Bett genommen habe. Tagsüber war es immer sehr angenehm zu fahren und meistens sonnig. So konnte man ohne Probleme die Gegend erkunden. Ach hab ich schon erwähnt: hier geht alles für Kilometer nur gerade aus!! Zum Glück konnte ich ein paar Offroad-Straßen finden und mit diesen ein wenig meinen Spaß haben, auch wenn diese immer von kurzer Dauer waren. Auf einer längeren Schotterstraße habe ich dann ein kleines Museum entdeckt, das leider verschlossen war. Auf der Rückseite gab es einen Holzsteg der in den Wald führt. Als ich 50m auf diesem gegangen bin, habe ich mich umgedreht und auf der Straße etwas weißliches Blitzen sehen und festgestellt das da ein größeres Tier läuft. Also langsam zum Motorrad gegangen und die Kamera geschnappt. Und siehe da: ein Rentier das in aller Ruhe über die Piste läuft und immer wieder zu grasen anfängt. Leider kein Elch, aber wer weiß was sich die nächsten Wochen noch so vor der Linse blicken lässt. Kurz vor der finnischen Grenze habe ich meinen letzten Campingplatz angesteuert. Hier war der bisher unfreundlichste Service bisher. Beim Anmelden wurde mir kurz und knapp der Preis genannt (150SEK, ist ok), kassiert, der Bon überreicht und ohne ein weiteres Wort umgedreht und da stand ich allein. Keine Einweisung, ob es Duschen gibt oder wo das Waschhaus überhaupt wäre. Also gut, dann pflanz ich mich halt hin wo ich will. Auch habe ich noch ein nettes deutsches Ehepaar getroffen, die mir ihrem Camper unterwegs waren und Richtung Norwegen unterwegs waren. Sie haben auch ähnliches berichtet über den Service. Wenigstens war alles sauber und die Duschen warm ;-)

Fischerhütte im Nirgendwo

Versunkenes Boot im Nirgendwo

Versunkenes Boot im Nirgendwo

Leider kein Elch! Aber das erste Rentier. Die Viecher laufen gerne auf der Straße rum, also aufgepasst!

Abends zwischen ein paar Mücken

Strand bei Kalix

Strand bei Kalix

Strand bei Kalix

Strand bei Kalix
Kurzziel Finnland
Über Finnland kann ich eigentlich nichts berichten, da ich hier nur eine Nacht verbracht habe. Die Straßen waren entlang der finnisch-schwedischen Grenze noch eintöniger als in Schweden. Den Campingplatz den ich ansteuern wollte, hat sich als Hotel erwiesen. Als ich dann nach dem nächsten Platz suchte, fand ich nur welche in mindestens 80km Entfernung. Daher habe ich mich entschlossen mein Zelt wild aufzuschlagen. Etwas 20km entlang der Straße habe ich einen alten Waldweg gefunden und bin ich hier ca. 50m reingefahren. Mein Zelt war schnell aufgeschlagen. Um diese Zeit ist Lappland nur so überbevölkert von Mücken und winzig kleinen Fliegen. Selbst mit Zeckito konnte man die Biester höchstens 5min bändigen. Zu jederzeit hatte man 50-100 Mücken um sich herum und da es nicht dunkel wird gehen diese auch nie weg… Nach dem Abendessen habe ich mich schnell ins Zelt verzogen und dort noch drei dieser Monster erschlagen. Leider war die Nacht nicht so erholsam, da meine Gedanken immer wieder um den Gedanken von Bären gekreist sind. Am Morgen ging die Mückenplagerei wieder von vorne los bis ich 20km/h mit dem Motorrad erreicht habe! Nur weg hier!!!!

Mückenangriff!
Nordnorwegen / Finnmark
Durch die einsamen Wälder von Lappland geht es immer weiter nach Norden. Man sieht das hier im Winter viele mit Skidos herumsausen da viele Verkehrsschilder aufgestellt sind. Für Norwegen hatte ich mich ja eigentlich auf Grenzkontrollen eingestellt, aber so schnell habe ich nicht geschaut, war ich auch schon in Norwegen. Das einzige was den Grenzübergang markiert hat, war zwei größere Hallen der Grenzpolizei für LKW-Kontrollen. Ein paar Versuche offroad zu fahren habe ich unternommen und bin immer gleich wieder umgedreht, da die Strecken nach wenigen Meter unpassierbar waren oder in einer Sackgasse geendet haben. Auf einem Rastplatz habe ich einen deutschen Camper getroffen, der seit 2 Wochen in Norwegen unterwegs war. Er hat mich auch auf einen Wasserfall aufmerksam gemacht, der gleich 30m weiter unten zu sehen war. Dieser war nirgends ausgeschrieben oder vermerkt, aber das aufmerksame Ohr hätte ihn hören können. Leider habe ich beim Fahren und Pausen meist meine Ohrenstöpsel im Ohr. Ursprünglich wollte ich an diesem Tag noch bis zum Nordkap fahren (ca. 350km von der finnischen Grenze), aber mir wurde abgeraten. Gut dann fahren wir nach Alta und lassen uns da nieder. Auf der Fahrt dorthin gab es die ersten Kurven seit fast 3 Wochen!! Wuhu! Jetzt gehts los! In Alta bin ich erstmal durch die Innenstadt gelaufen um zumindest ein paar norwegische Kronen (NOK) abzuheben. War gar nicht so einfach einen Automaten zu finden, in einem Land in dem man nahezu überall mit Karte zahlen kann. Am Tankautomaten ist mir das Motorrad dann auch noch von selbst umgekippt (zu aufrecht und zu beladen) und hat mir den Kofferträger leicht verbogen, wodurch der rechte Koffer jetzt etwas schwieriger zu öffnen ist. Das war für mich das Zeichen für heute Schluss zu machen und mich auf dem Campingplatz zu verziehen. Später habe ich noch festgestellt, das die guten Kekse aus Schweden jetzt nur noch Brösel sind. Geschmeckt haben sie mit Löffel dann trotzdem :D Achjaa und die Sonne ist hier immer zu sehen. Selbst nachts um 0 Uhr.

Kurz nach der Grenze. Noch gehts gerade aus...

Seht ihr das? Die erste Kurve kündigt sich an!!

Unbekannter Wasserfall einige Kilometer nach der Grenze
Das Nordkap
Am Morgen nach einer kühlen angenehmen Nacht habe ich erstmal ausgiebig warm geduscht und meine sieben Sachen gepackt. Auch habe ich nun das Winterfutter in meine Jacke gesteckt und die Thermounterwäsche ausgepackt. Am Kap sollen es gegen 6°C werden. Nun fahre ich immer gen Norden und komme in etwas höhere Lagen (250m ü. NN) und hier liegt noch ein wenig Schnee auf den Bergen und Hängen. Die Temperatur ist sehr frisch und auch ein kalter Wind zieht rein. An der Küste nimmt dieser immer mehr zu und weht mich fast vom Motorrad. Immer wieder werde ich auf der Straße hin und her geworfen. An sich ist es bisher ein recht sonniger Tag gewesen. An einigen Stellen muss ich ziemlich abbremsen um die Kurven noch mitnehmen zu können. So einen heftigen Wind hatte ich bisher noch nicht erlebt. Bei manchen Rechtskurven lag ich nach links gelehnt um nicht vom Wind von der Straße gedrängt zu werden. Von Alta zum Nordkap sind es über 260km und über die Hälfte davon muss ich mit dem Wind kämpfen. Bei den letzten 50km zieht der blaue Himmel zu und verdeckt die Sonne. Hier wird es nun noch kälter. Jeder Windstoß dringt in meinen Helm und meine Kleider ein. Angenehm ist das nicht mehr. Ich schließe mich unterwegs mit einem anderen Motorradfahrer (Sven aus Ilmenau) zusammen und fahre bis zur Schranke am Kap. Eintritt: knapp 30€! Ein ziemlicher Wucher für das, was man zu sehen bekommt. Das Nordkap ist an sich relativ unspektakulär während die Fahrt dahin einfach traumhaft ist (mal abgesehen vom dauerenden Wind). Knapp eine Stunde verbringen wir hier mit hunderten anderen Gästen. Eine typische Touristenfalle und ich mittendrin… Während unseres Besuchs im Außenbereich haben wir die Helme nicht abgenommen, da der Wind unerträglich ist und einem sofort das Gefühl aus dem Gliedern saugt. Der Rückweg ist aber dann etwas entspannter, da der Wind abgeflaut hat und nicht mehr so hart gegen meine Maschine hämmert. 170km vom Nordkap entfernt gehts auf einen kleinen alten Campingplatz für 170NOK (20NOK für Duschen, falls gewünscht).

Kleine Siedlung Richtung Nordkap

Kleine Siedlung Richtung Nordkap

Schiffbruch

Die Landschaft zum Nordkap ist sehr abwechslungsreich

Einmal hoch, einmal runter

Traumhafte Halbinseln

Traumhafte Halbinseln

Es liegt noch Schnee...
Das Land der Wasserfälle
Überall im Land finden sich an jeder Möglichkeit Wasserfälle! Groß wie klein. Versteckt und offensichtlich. Die Strecken sind wunderbar abwechslungsreich und fordern nicht allzustark die Konzentration, nur gegen 17 Uhr stellt sich langsam die Ermüdung bei mir ein. Aber wir wollen noch zu einem Wasserfall bei Birtavarre. Hier müssen wir von der Küste aus ca. 15km in das Landesinnere zwischen hohen Bergen hineinfahren. Die Straße wechselt ziemlich schnell zum Schotter über mit einigen Schlaglöchern (auch ziemlich großen). Mit meiner Tenere ist das alles kein Problem, aber Sven hat mit seiner Multistrada 1250S dann doch etwas Probleme. Der beschriebene Wasserfall ist nicht so leicht zu finden auf den ersten Blick, da keine Karte die Wanderwege sauber verzeichnet hatte (Google, OSM). Wir fahren also noch einiges weiter und stellen dann fest, das noch Schnee auf der Straße liegt. Ein Finne meinte, der Schnee hier wäre nur ca. 20m lang, aber in 3-4km kommt dann richtig viel Schnee! Wir drehen um und bleiben dann an dem Parkplatz stehen, wo wir vorher schon zwei finnische Motorräder gesehen haben. Einer fährt sogar eine blaue Tenere :-). Das Schild weißt ca. 1,8km zum Wasserfall aus oder was Sven und ich glauben der Wasserfall zu sein. Mit unseren Motorradkombis machen wir uns auf dem Weg. Der Weg hin war relativ entspannt und ging bergab (!). Als erstes ist eine Aluminium-Brücke einige Meter weiter unten zu sehen. Wir hatten schon gesehen das man hier wohl auch Bungee-Jumping machen kann, konnten uns das hier aber nicht vorstellen. Bei der Annäherung an die Brücke erkennen wir, dass es sehr steil nach unten geht. Ganze 152m bis zum Boden den Wasserfalls! Die Aussicht ist überwältigend und die (noch kommenden) Anstrengungen Wert! Beim Zurücklaufen wird uns dann doch ganz schön warm, wodurch wir die Jacken der Kombis irgendwann ausziehen. Leider hatten wir vergessen uns etwas zu trinken mitzunehmen… Auch diese Strapazen sind irgendwann rum und wir fahren zurück. Noch ein kurzes Fotoshooting an einer Brücke mit Svens Motorrad und einem kleinen Sturz von ihm ohne Kratzer an der neuen Maschine, sind wir dann wieder an der Küste in den Campingplatz eingecheckt. 110NOK die Nacht, Duschen incl.! Super! Nur der Benzin-Kocher scheint etwas verdreckt zu sein, wodurch ich ihn erstmal reinigen muss, bevor das Abendessen zubereitet werden kann.


Die Rastplätze liegen aber auch immer zufällig so schön

Ein wenig frisch ist dann doch...

Ein wenig Offroad

Ein Blick ins Tal bei Birtavarre

Immer noch auf der Suche nach dem Wasserfall, der kann sich doch nicht einfach so verstecken...

Ha! Da ist er ja. Ich hab mir den ja etwas größer vorgestellt...

Aaaahh! Da gehts ja ganz schön runter... 152m sagt da ein Schild

Da fließt der Wasserfall ins Meer

Und hier kann man Bungee-Jumping machen

Was für ein Panorama!
Lofoten
Auf dem Weg vom Nordkap kommend sollte man sich das Kriegsmuseum (100NOK Eintritt) nicht entgehen lassen. Es ist sehr detailreich und wirklich schön ausgearbeitet. Es gibt gut verständliche Tafeln in Norwegisch und Englisch. Wer es gerne deutsch hätte könnte sich eine entsprechende App runterladen. Leider hat das Wetter angefangen schlechter zu werden und hin und wieder hat der Himmel seine Tore ein wenig geöffnet. Durch das kalte und bewölkte Wetter konnte ich die Lofoten leider nicht so sehr genießen und auch war die Aussicht recht versperrt. Da für den Folgetag noch schlechteres Wetter und Strumböen angesagt waren musste die Inselgruppe an einem Tag durchgezogen werden. Auf dem Campingplatz (220NOK + 10NOK/3min Duschen, Skagen Camping) haben wir die Zelte schnell aufgebaut und unsere Sachen verstaut. Nun habe ich mir überlegt doch eine kleine Offroad-Runde über die kleinen Hügelchen zu drehen auf dem Campingplatz. Leider habe ich dabei das Seegras übersehen und bin mit der Maschine ausgerutscht und hart mit dem rechten Knie auf den Boden aufgeschlagen. Der Schmerz war im ersten Moment brennend heiß, aber bevor ich mich darum gekümmert habe, bin ich zur Tenere und habe sie per Killswitch ausgemacht. Danach konnte ich sie noch relativ einfach aufheben und abstellen. Jetzt konnte ich den Schmerz erstmal deutlich wahrnehmen. Najaa, jetzt ein wenig langsamer. Hinkend fahren wir noch nach Nusfjord und gehen uns die kleine Ortschaft ansehen. Der ganze Ort ist nur auf Touristen ausgelegt. An der Hafenfront gibt es viele rote Hütten, die aber alle nur als Ferienwohnungen dienen. In der Taverne des Dorfes genehmige ich mirnoch eine Pizza und ein Getränk (250NOK ~ 25€). Die Rückfahrt war noch mit leichtem Regenschauer begleitet, aber kurz darauf am Campingplatz war die Sonne wieder zu sehen. Spekatulär wie der ganze Campingplatz vom Sonnelicht getränkt wurde. Über Nacht ist die Stelle um mein Knie dunkelblau angeloffen und das ganze hat sich noch bis nach unten zum Knöchel gezogen. Mit der Fähre ging es dann wieder zurück aufs Festland (369NOK wenn man direkt vor Ort bezahlt, Vorbuchung ist teurer!!, Dauer 3h) Am Abend entscheide ich mich erstmal für eine Fahrpause auf dem Korgen Campingplatz (200NOK, 10NOK für 5min Duschen). Im richtig gemütlichen Aufenthaltsraum kann man es aushalten bei dem Regenwetter das sich mittlerweile zusammengebraut hatte. Auch lustig mit anzuhören ist es wenn Camper prahlen wie toll ihr Wohnmobil/-wagen ist… :D :D :D

Ein wenig Sonne gab es zwischen durch doch auf den Lofoten

Meist war das Wetter wie hier

Fischerdorf Nusfjord

Fischerdorf Nusfjord

Fischerdorf Nusfjord. Gammelfisch gefällig?

Fischerdorf Nusfjord

Fischerdorf Nusfjord - Dorftaverne, Pizza + Softdrink für 25€

Campingplatz und Sonnenschein was kann schöner sein? Vielleicht ein Bein das nicht kaputt ist?

So sah das Bein am nächsten Morgen aus... Noch einen Tag später ist es am Knöchel unten auch noch blau geworden

Abreise aus den Lofoten mit der Fähre nach Bodo

Byebye Lofoten!

Eine Schifffahrt die ist lustig...
